Im letzten Inselschach brachten wir die total uninteressanten Fakten zur Person HR, jetzt folgt also der noch uninteressantere schachliche Teil, oder kurz:

Interview II

SH: Wie bist Du zum Schach gekommen?
HR: Im Alter von so 7 Jahren hat es mir mein Onkel beigebracht. Er hat mich in den ersten Partien immer besiegt, was mich so ärgerte (Capablanca hat schließlich auch seine Verwandten mit 4 Jahren abgezockt, wieso also nicht ich), daß ich schwor, irgendwann mal Hamburger Meister zu werden.
SH: Das hast Du Dir doch jetzt nur ausgedacht!
HR: Natürlich.
SH: Aber Du hast ihn doch irgendwann mal besiegt.
HR: Natürlich!!
SH: Durch ständiges Training, oder durch ein Schachbuch, oder was?
HR: Über meine Anfänge in der legendären Schachgruppe vom Blauen Gymnasium liegt dichter Alzheimer, aber so weit ich mich erinnern kann, habe ich noch bei Heiner Ahrens gelernt. Mein erstes Schachbuch war “Freude am Schach” von Lauterbach, was mir zeigte, wie man ahnungslose Patzer mit Italienisch, Greco-Variante wegputzte. Das Wissen reichte völlig für so etwa 5 Jahre. Diese Eröffnung dürfte Dir doch etwas sagen, oder? grinst diabolisch
SH: ICH stelle hier die Fragen! - Ich wußte zum Beispiel nicht, daß Du Theorie kannst. Ich dachte, daß du keine Schachbücher liest, wie Du immer behauptest?
HR: Keine _Eröffnungsbücher_. Das genannte ist (in etwa) Mittelspieltaktik.
SH: Welche Partien haben Deine spätere Schachlaufbahn entscheidend geprägt?
HR: Zunächst fällt mir da eine Simultanveranstaltung ein, die ein starker Spieler (ich glaube nicht, daß es ein Großmeister war, wohl eher ein Mittelpatzer aus dem SKW) im Blauen Gymnasium gab. Ich schaffte es als einziger, ihm noch im Endspiel ein Remis abzuschummeln. Für diese Leistung erhielt ich einen Kirschenlolli im Wert von 2 Pf (nicht inflationsbereinigt)...
man beachte, daß HR also schon damals hinterhältig und verfressen war - Red.
SH: Na toll, ich habe auch gegen GM Hort gewonnen (natürlich auch simultan) und aus mir ist nichts geworden. Es muß ja wohl noch wichtigere Partien gegeben haben...
HR: ...die Partie, die meinen Spielstil entscheidend prägte, war bei der HJET gegen Kjetza. Ich gewann mit der sizilianischen Drachenvariante...

Weiß: Kjetza . . . . . Schwarz:HR . . . . . HJET A-Endrunde 1979 (+2 -1 =8!)
1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 g6 5.Sc3 Lg7 6.Le3 Sc6 7.Lc4 Sf6 8.f3 Ld7 9.Dd2 Tc8 10.Lb3 Sa5 11.0-0-0 Sc4 12.Lxc4 Txc4 13.Kb1 a6 14.g4 Dc8 15.Sde2 Le6 16.h4 h5 17.gxh5 Sxh5 18.Ld4 Sf6 19.Sf4 Txd4 20.Dxd4 Sh5 21.Dd2 Sxf4 22.Dxf4 Lxc3 23.bxc3 Dxc3 24.Dd2 Da3 25.c3 Th5 26.Tc1 Tb5+ 27.Ka1 Lxa2 28.Dxa2 Dc5 29.Th2 Ta5 30.Tb2 Txa2+ 31.Kxa2 b5 32.Tcc2 Dc4+ 33.Tb3 Dd3 34.Kb2 Dxf3 35.c4 Dxe4 36.cxb5 axb5 37.Txb5 Dxh4 aufgegeben

SH: HAAALT! Was passiert auf 24.Td3?
HR: 24...Lxa2+...und seitdem spiele ich nur noch Sizilianisch.
SH: Und das hast Du alles im voraus gesehen?
HR: Nö, das hat mein Gegner mir nach der Partie gezeigt, als ich ihn fragte, warum er nicht 24.Td3 gezogen hatte. MORAL: Er reicht, wenn der Gegner die eigenen guten Züge sieht, man muß sich nicht auch noch selbst damit abgeben!
SH: Stimmt, das ist wirklich Dein Spielstil! Nächste Frage: Jeder Spieler hat so etwas wie einen Angstgegner. Welcher ist Deiner? Konntest Du schon jemals gegen ihn gewinnen?
HR: Wie aufmerksame Dauerleser von IS wissen: Christian Joecks von BUE, ELO von ca. 2350. Score: 1/2:der Rest. (3-4 plus ungezählte Schnellpartien) Und ich schätze, ich könnte hundertmal gegen ihn auf Gewinn stehen und würde es wieder verzocken.

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